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Glossar / Fachwissen

B

Bindungstheorie

Ein psychologisches Konzept, das erklärt, wie die Qualität der Bindung zwischen Eltern und Kind das Verhalten und die emotionale Stabilität beeinflusst. Unsichere Bindungen können Schulverweigerung fördern.


Clearing

Ein diagnostischer Prozess, der Ressourcen, Defizite und Konfliktbereiche eines Kindes oder Jugendlichen systematisch erfasst. Ziel ist es, eine fundierte Grundlage für individuelle Fördermaßnahmen zu schaffen.


Destabilisierung

Ein gezieltes methodisches Vorgehen, um festgefahrene Verhaltensmuster oder problematische Dynamiken zu unterbrechen, damit neue Lösungsansätze entstehen können.


Eine Beratungssituation zwischen zwei Personen.
Eine Gespräch zwischen einer Frau und einer Jugendlichen.

E

Erziehungsbeistand, Betreuungshelfer (§ 30 SGB VIII)

Eine intensive Begleitung von Kindern und Jugendlichen, die sie bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen und in schwierigen Lebenslagen unterstützt. Ziel ist es, sie in ihrem sozialen Umfeld zu stabilisieren.


Erziehungsberatung (§ 28 SGB VIII)

Ziel ist die Beratung von Eltern und Erziehungsberechtigten in Erziehungsfragen. Sie bietet Unterstützung bei Konflikten innerhalb der Familie und hilft, Lösungen zur Verbesserung des familiären Zusammenlebens zu finden.


F

Familienarbeit

Eine Form der Intervention, die Eltern und andere Familienmitglieder einbezieht, um das familiäre Umfeld zu stabilisieren und Konflikte zu lösen.


Frühintervention

Maßnahmen, die frühzeitig ergriffen werden, um die Entwicklung von Schulverweigerung oder Verhaltensproblemen zu verhindern.


Eine Frau und ein Mann in einem Beratungsgespräch.
Kind sitzt vornübergebeugt an Schreibtisch.

H

Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform (§ 34 SGB VIII)

Eine stationäre Hilfeform für Kinder und Jugendliche, die nicht in ihrer Familie bleiben können. Sie bietet einen sicheren Raum für Entwicklung und fördert die Rückführung in das familiäre oder soziale Umfeld.


Hilfen zur Erziehung (HzE)

Nach § 27 SGB VIII umfasst die HzE verschiedene Unterstützungsformen, um Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe zu entlasten. Sie richtet sich an Familien, die aufgrund von Konflikten oder Problemen nicht eigenständig für das Wohl ihrer Kinder sorgen können.


I

Individuation

Der Prozess, in dem sich ein Individuum von seinem familiären und sozialen Umfeld ablöst, um eine eigenständige Identität zu entwickeln. Schulverweigerung kann ein Ausdruck von Problemen in diesem Prozess sein.


Integrationsphase

Eine Phase in der Arbeit mit Betroffenen, in der sie schrittweise in schulische oder gesellschaftliche Strukturen zurückgeführt werden.


Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung (§ 35 SGB VIII)

Ein besonders intensives Hilfsangebot für Jugendliche mit komplexen Problemlagen. Es zielt darauf ab, sie individuell zu fördern und sie bei der Bewältigung von Problemen und der Integration in die Gesellschaft zu unterstützen.


Ein Einzelgespräch
Gruppe

L – N

Lernstrategien

Methoden und Techniken, die dazu dienen, schulisches Lernen zu erleichtern und effektiver zu gestalten, insbesondere bei Kindern mit Verweigerungsverhalten.


Mitwirkung, Hilfeplanung (§ 36 SGB VIII)

Regelt die Hilfeplanung im Rahmen der Hilfen zur Erziehung. Dabei werden die individuellen Bedürfnisse des Kindes, der Jugendlichen und ihrer Familie ermittelt, um passende Hilfsangebote zu gestalten. Die Planung erfolgt unter Einbezug aller Beteiligten.


Nachsozialisation

Eine Phase im therapeutischen Prozess, in der soziale Fähigkeiten und Verhaltensweisen (re-)erlernt werden, um die Integration in gesellschaftliche Strukturen zu fördern.


Neuorientierungsphase

Die abschließende Phase eines Förderprozesses, in der die Weichen für langfristige Stabilität und Eigenverantwortung gestellt werden.


P – R

Prozessuale Diagnostik

Ein dynamischer Ansatz zur Diagnostik, der sich kontinuierlich an die Fortschritte und Veränderungen im Verhalten und Umfeld des Kindes anpasst. Dies ermöglicht flexible und nachhaltige Interventionen.


Regelpyramide

Ein pädagogisches Modell, das klare Strukturen und Erwartungen definiert, um Orientierung und Sicherheit für Kinder und Jugendliche zu schaffen.


Ressourcenaktivierung

Ein methodischer Ansatz, der darauf abzielt, vorhandene Stärken und Potenziale eines Individuums gezielt zu fördern und nutzbar zu machen.


Ressourcenorientierte Diagnostik

Fokussiert auf die Stärken und Potenziale eines Kindes oder Jugendlichen sowie seines sozialen Umfelds, um diese aktiv in den Förderprozess einzubinden.


Ein Diagnostikgespräch
Ein leerer Klassenraum

S

Schulabbruch

Vorzeitiges Verlassen der Schule ohne Abschluss. Schulabbruch kann sowohl durch persönliche als auch durch systemische Faktoren bedingt sein.


Schulabsentismus

Ein Oberbegriff für jegliches unentschuldigtes Fehlen in der Schule, einschließlich Schulverweigerung, Schulschwänzen und krankheitsbedingtem Fehlen ohne ausreichende Begründung.


Schulangst

Eine spezifische Angststörung, die sich auf schulische Situationen wie Prüfungen, soziale Interaktionen oder Leistungsdruck bezieht. Betroffene meiden die Schule, um unangenehme Gefühle oder Misserfolge zu vermeiden.


Schulphobie

Eine schwere Form von Schulangst, die häufig auf Trennungsängste zurückzuführen ist. Sie äußert sich in körperlichen Symptomen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Panik, sobald der Schulbesuch ansteht.


Schulschwänzen

Unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht, das meist ohne Wissen oder Zustimmung der Eltern erfolgt. Oftmals steht kurzfristige Vermeidung bestimmter Situationen oder Regeln im Vordergrund.


Schuldistanz

Emotionale oder physische Distanzierung von schulischen Anforderungen. Schuldistanz kann sich in Verweigerung oder Desinteresse am Unterricht äußern.


Schulvermeidung

Verhalten, bei dem Schüler versuchen, schulische Situationen zu meiden. Ursachen können Ängste, Überforderung oder familiäre Konflikte sein.


Schulverweigerung

Aktives und wiederholtes Fernbleiben vom Unterricht trotz bestehender Schulpflicht. Sie ist oft Ausdruck tieferliegender psychosozialer Probleme wie Schulangst, familiäre Konflikte oder individuelle Überforderung.


Selbstwirksamkeit

Das subjektive Empfinden, Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Stärkung der Selbstwirksamkeit ist ein zentrales Ziel des Konzepts.


Sozialpädagogische Familienhilfe (§ 31 SGB VIII)

Ein langfristiges Unterstützungsangebot für Familien, das darauf abzielt, die Erziehungsfähigkeit der Eltern zu stärken und die familiäre Stabilität zu fördern. Die Hilfe erfolgt aufsuchend im häuslichen Umfeld.


Soziale Gruppenarbeit (§ 29 SGB VIII)

Richtet sich an ältere Kinder und Jugendliche, die Unterstützung bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen benötigen. Ziel ist die Förderung von Konfliktfähigkeit und sozialer Integration.


Sozial-emotionale Stabilisierung

Ein therapeutischer Prozess, der darauf abzielt, emotionale und soziale Unsicherheiten zu reduzieren und ein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit zu schaffen.


SORCK-Verhaltensanalyse

Ein diagnostisches Modell zur Analyse von Verhaltensmustern, das die fünf Elemente Stimulus, Organismus, Reaktion, Konsequenz und Kontingenz betrachtet. Es hilft, Ursachen und Verstärker problematischen Verhaltens zu identifizieren.


T – V

Truancy

Englischer Begriff für unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht. Im deutschen Kontext vergleichbar mit Schulschwänzen.


Vollzeitpflege (§ 33 SGB VIII)

Eine Hilfeform, bei der Kinder und Jugendliche in einer Pflegefamilie untergebracht werden, wenn sie nicht in ihrem Herkunftshaushalt verbleiben können. Ziel ist es, ihnen ein stabiles und unterstützendes Umfeld zu bieten.


Ein Junge sitzt auf Stufen.